Bewerbungs-Mythen Teil 2: Sind gute Noten wirklich wichtig?
Rund um das Thema Bewerbungen existieren nicht nur unzählige offene Fragen, sondern auch genauso viele Vorurteile und Mythen.
In einer Artikelreihe verraten sieben HR-Expertinnen und -Experten aus führenden Unternehmen, was wirklich zählt und worauf man achten sollte.
TEIL 2 Welchen Wert legen Sie auf Noten (Abitur, Studium)? Kann man schlechte Noten ausgleichen?
– Die meisten unserer neuen Berater stellen wir direkt nach ihrer universitären Laufbahn an – der Erfolg ihrer langjährigen Bemühungen hat darum Gewicht. Aber natürlich berücksichtigen wir bei der Beurteilung auch außeruniversitäre Tätigkeiten wie Praktika, Teilzeitstellen und extracurriculäres Engagement. Eva Schneider, Recruiting Director, The Boston Consulting Group – Bei Einstiegsprogrammen legen wir großen Wert auf die Noten in den für uns wichtigen Fächern (Marketing, zahlenanalytische Fächer, Semester- und Diplomarbeiten). Solche Kandidaten können weniger gute Noten höchstens mit interessanten Praktika oder guten Diplomarbeiten ausgleichen. Bei einer Rekrutierung einer Fachperson achten wir natürlich hauptsächlich auf die erfolgreiche Berufserfahrung. Schul- und Studiennoten sind dann nicht mehr relevant. Linda Jardaneh, Human Resources Director, Beiersdorf
– Noten sind ein Spiegelbild der Leistungen des Kandidaten, die man jedoch differenziert betrachten sollte. Wenn ein Kandidat durchgängig gute Noten hat, ist dies sicherlich ein Pluspunkt, jedoch nützen sehr gute Noten nichts, wenn die Fachkompetenz, die Persönlichkeit sowie die Berufserfahrung nicht den Anforderungen der Stelle entsprechen. Insbesondere bei Bewerbern mit mehrjähriger Berufserfahrung sind aus Unternehmersicht Noten und Leistungsnachweise ein Punkt im gesamten Bewertungsbild, die man nicht überbewerten sollte. Ein Hochschulabsolvent und Lehrabschlussgänger, ohne Berufserfahrung mit durchgängig schlechten Noten, hat hier Nachteile, weil er darüber hinaus keine Leistungsnachweise hat, die sie schlechten Noten ausgleichen können. Dr. Kerstin Freier, Human Resources Manager, Johnson & Johnson – Die Noten werden sicher geprüft, aber ein guter Leistungsausweis (Arbeitszeugnis) gibt unserer Meinung nach mehr Aufschluss. René Frei, Leiter Direktion Personelles, Migros Genossenschaft Ostschweiz – Bei jungen Kandidatinnen und Kandidaten sind sie ein Anhaltspunkt, weil bei ihnen der Ausweis der beruflichen Erfahrung fehlt. Bei schlechten Noten hake ich nach, wenn das Fach für das Ausüben der Funktion relevant ist. Katrien Geboers, Human Resources Manager, Siemens
Alle Artikel dieser Reihe:
Schluss mit den Mythen (Teil 1) Bewerbungsschreiben, die Fehler enthalten, werden als absolutes Disqualifizierungskriterium angesehen. Gibt es Fehler, über die Sie dennoch hinwegsehen können? Schluss mit den Mythen (Teil 2) Welchen Wert legen Sie auf Noten (Abitur, Studium)? Kann man schlechte Noten ausgleichen?
Schluss mit den Mythen (Teil 3) Wie macht man bei Onlinebewerbungen die fehlende Möglichkeit des Auffallens durch eine aufwändige Bewerbungsmappe wett?
Schluss mit den Mythen (Teil 4) Ihre Präferenz: Bewerbung mit oder ohne Foto, und warum?
Schluss mit den Mythen (Teil 5) Man hört häufig, dass Kritik an früheren Arbeitgebern, Vorgesetzten und Kollegen grundsätzlich tabu sei. Stimmen Sie dem zu? Wenn ja, gibt es Ausnahmen?
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